Ein akademischer Besuch aus Deutschland in Fès zwecks Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens zwischen den Universitäten Marburg und Sidi Mohammed Ben Abdellah in Fès, Marokko
von Hichame Abidi
Im Rahmen der akademischen und kulturellen Zusammenarbeit zwischen dem Königreich Marokko und der Bundesrepublik Deutschland empfing die Universität Sidi Mohammed Ben Abdellah in Fès, vertreten durch die Fakultät für Literatur- und Geisteswissenschaften „Dhar al-Mahraz“ und das Labor für Sozialen, Kulturellen und Philosophischen Studien, vom 22. bis 24. Mai 2026 eine akademische Delegation des Centrums für Nah- und Mitteloststudien CNMS der Universität Marburg. Dieses Treffen wurde vom Institut für Deutsch-Marokkanische Studien koordiniert und von der Hassan-II.-Stiftung für im Ausland lebende Marokkaner unterstützt.
Dieser Besuch war ein echter Ausdruck des gemeinsamen Willens der beiden universitären Einrichtungen, den wissenschaftlichen Austausch zu vertiefen und solide, nachhaltige akademische Partnerschaften aufzubauen sowie die Kooperationsbeziehungen zwischen den Städten Fès und Marburg zu stärken, die durch eine herausragende wissenschaftliche und historische Stellung verbunden sind; Fès beherbergt die Al-Qarawiyyin-Universität, eine der traditionsreichsten und am längsten bestehenden Universitäten der Welt, die im Jahr 859 n. H. gegründet wurde, während Marburg die weltweit erste protestantische Universität ihrer Art beherbergt, die im Jahr 1527 n. Chr. gegründet wurde.
Erster Besuchstag: Treffen mit dem Gouverneur
Am ersten Besuchstag stand ein Treffen mit dem Gouverneur der Region Fès-Meknès, Khalid Ait Taleb, auf dem Programm. Der Austausch mit dem Gouverneur diente der Perspektivklärung und der Planung mehrerer zukünftiger Projekte zwischen den Universitäten sowie zwischen den Städten Fès und Marburg.
Internationaler Studientag und Eröffnungssitzung
Im Al-Qarawiyyin-Saal der Fakultät für Literatur und Geisteswissenschaften in Dhar al-Mahraz fand ein internationaler Studientag statt, der unter dem Motto stand: „Akademische Diplomatie: Marburg – Fès, akademische und historische Brücken für eine nachhaltige Partnerschaft“. Dieses Treffen bot eine wertvolle Gelegenheit für den Dialog und den Erfahrungsaustausch sowie für die Ausarbeitung eines Fahrplans für die zukünftige Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten, von dem sowohl marokkanische als auch deutsche Studierende und Forscher profitieren werden.
Die Eröffnungssitzung wurde von Dr. Abdelkader M’hamdi, Mitglied des Labors für Soziale, Kulturelle und Philosophische Studien geleitet. An ihr nahmen teil:
- Dr. Mustafa El Hadrami, Vizepräsident der Universität Sidi Mohammed bin Abdullah
- Dr. Mohammed Moubtasime, Dekan der Fakultät für Literatur und Geisteswissenschaften in Dhar al-Mahraz
- Dr. Kabir Sandy, Direktor des Labors für Soziale, Kulturelle und Philosophische Studien
- Dr. Albrecht Fuess, Leiter der Abteilung für Islamwissenschaft am CNMS der Universität Marburg
- Frau Nadia Yakine, Direktorin des Instituts für Deutsch-Marokkanische Studien.
In ihren Eröffnungsreden waren sich die Redner einig über die große Bedeutung von Hochschulpartnerschaften im Dienste von Studierenden, Forschenden und Lehrenden. Sie schlugen vor, neue Perspektiven für die gemeinsame Betreuung von Master- und Promotionsstudierenden zu eröffnen und gemeinsame Masterstudiengänge im Bereich der Germanistik einzurichten. Zudem betonten sie alle die zentrale Rolle der Universitäten als wesentliche Akteure in der parallelen akademischen Diplomatie, indem sie zum Aufbau von Brücken des kulturellen und wissenschaftlichen Dialogs zwischen den Völkern beitragen und die Werte der Offenheit und des gegenseitigen Verständnisses festigen.
Unterzeichnung einer Partnerschaftsvereinbarung
Die Eröffnungssitzung gipfelte in einem bedeutenden akademischen Ereignis, nämlich der Unterzeichnung einer Partnerschaftsvereinbarung zur gemeinsamen Betreuung von zwei Doktoranden, Nadia Yakine und Hichame Abidi, im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen der Fakultät für Literatur- und Geisteswissenschaften in Mahraz und dem Labor für Soziale, Kulturelle und Philosophische Studien der Universität Sidi Mohammed Ben Abdellah einerseits sowie dem Centrum für Nah- und Mitteloststudien der Universität Marburg andererseits, unter der gemeinsamen Betreuung von Dr. Abdelkader M'hamdi von der Universität Fès und Dr. Albrecht Fuess von der Universität Marburg.
Diese Vereinbarung stellt einen Meilenstein auf dem Weg zur Ausweitung gemeinsamer Betreuungsprogramme und bilateraler wissenschaftlicher Diskussionen dar und öffnet anderen Forschenden die Tür, von diesem wegweisenden Kooperationsmodell zu profitieren.
Wissenschaftliche Sitzung und Beiträge
Die wissenschaftliche Sitzung bot einen großzügigen Raum für einen fundierten akademischen Dialog und umfasste eine Reihe vielfältiger Beiträge:
Dr. Driss Essanhaji, hielt einen Vortrag, in dem er die Stadt Fès als traditionsreiche Universitätsstadt vorstellte. Er beleuchtete ihre jahrhundertelange historische Rolle bei der Erzeugung und Verbreitung von Wissen und hob ihren Stellenwert als Zentrum für Wissenschaft und Kultur hervor.
Dr. Albrecht Fuess befasste sich mit dem Thema Islam und Muslime in Deutschland. Er hob die Rolle der Moscheen bei der Förderung des Zusammenlebens und der Friedensstiftung innerhalb der deutschen Gesellschaft hervor und beleuchtete den Beitrag der marokkanischen Gemeinschaft zum sozialen und kulturellen Leben in Deutschland.
Dr. Assem Hefny, wissenschaftlicher Berater am Centrum für Nah- und Mitteloststudien der Universität Marburg, konzentrierte sich in seinem Beitrag auf die Bedeutung der akademischen Zusammenarbeit und der gemeinsamen wissenschaftlichen Forschung. Dabei stützte er sich auf erfolgreiche Modelle internationaler Partnerschaften zwischen Universitäten und forderte die Etablierung eines Modells für einen akademischen Berater, der sich um die Entwicklung der wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen marokkanischen und deutschen Hochschuleinrichtungen kümmert.
In ihrem Beitrag zur Rolle akademischer Partnerschaften für die Stadtentwicklung betonte Nadia Yakine das Konzept der offenen Universität als wesentlichen Akteur der lokalen und kulturellen Entwicklung. Sie wies darauf hin, dass die Universität nicht nur auf die Wissensproduktion beschränkt sei, sondern eine zentrale Rolle bei der Belebung des kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens der Stadt spiele. Sie erklärte, dass die Städte Fès und Marburg zwei ähnliche Modelle für die Beziehung zwischen Universität und Stadt bieten, was sie zu Vorbildern für die kreative Interaktion zwischen Wissen, Kultur und Gesellschaft macht.
Hichame Abidi befasste sich in seinem Beitrag mit den Dynamiken der Studienmigration anhand einer soziologischen Betrachtung der Laufbahnen marokkanischer Studierender an deutschen Universitäten. Er hob deren akademische Erfolge hervor, trotz der strukturellen, rechtlichen und sozialen Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen, und beleuchtete den Wandel von isolierten Einzelinitiativen hin zu aktiven institutionellen Netzwerken, die zur lokalen Entwicklung und zur Stärkung der wissenschaftlichen und kulturellen Diplomatie zwischen den beiden Ländern beitragen.
Kulturelles Begleitprogramm
Neben den wissenschaftlichen Aktivitäten umfasste das Programm der deutschen Delegation Besichtigungen einer Reihe bedeutender historischer und kultureller Sehenswürdigkeiten in der Stadt Fès, darunter: die Bibliothek von Al-Qarawiyyin und deren Archiv, die traditionsreiche Universität Al-Qarawiyyin, die Madrasa al-Misbahiyya, die Madrasa al-Saffarin, die Madrasa al-Bouanania, den historischen Wasserverteiler aus der Zeit der Almoraviden, das Hammam al-Saffarin, das Museum al-Najjarin sowie weitere archäologische Stätten, die die lange Geschichte der Stadt und die Tiefe ihrer Kultur widerspiegeln. Diese Besichtigungen boten der deutschen Delegation die Gelegenheit, das reiche kulturelle Erbe Marokkos aus nächster Nähe kennenzulernen, und schufen einen tiefgründigen symbolischen Rahmen, der den akademischen Ansatz der Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen bereichert.
Arbeitssitzung mit dem Dekan
Der Besuch umfasste zudem eine Arbeitssitzung mit dem Dekan der Fakultät für Literatur und Geisteswissenschaften, Dr. Mohamed Moubtassime, die der Erörterung von Mechanismen zur Entwicklung der wissenschaftlichen und akademischen Zusammenarbeit zwischen den beiden Universitäten sowie deren Festigung auf soliden institutionellen Grundlagen gewidmet war.
Abschluss und akademische Diplomatie
Der Besuch endete mit der Bekräftigung des festen Willens beider Seiten, die Zusammenarbeit fortzusetzen und die Ergebnisse dieser Initiative in konkrete Projekte und langfristige strategische Partnerschaften umzusetzen, die die Städte Fès und Marburg in den Bereichen Wissenschaft, Kultur und Entwicklung verbinden.
Dieser Besuch verkörpert ein erfolgreiches Beispiel für das, was als akademische Diplomatie bekannt geworden ist, die Wissen und wissenschaftliche Forschung zu einem Hebel für die Annäherung zwischen den Völkern und zu einem Instrument für den Aufbau von Vertrauen, die Förderung des Dialogs und die Schaffung gemeinsamen Wissens macht, das in der Lage ist, den aktuellen globalen Herausforderungen zu begegnen. Diese Partnerschaft trägt zur Vertiefung der marokkanisch-deutschen Beziehungen im Sinne der Werte des Dialogs, des Verständnisses und des gegenseitigen Respekts bei und eröffnet vielversprechende Perspektiven für die wissenschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern in der kommenden Phase.
Besuch in Rabat
Zum Abschluss stand ein Besuch der Hauptstadt Rabat mit ihren historischen Stätten, wie der Hassan-Moschee und der Kasbah des Oudaias, auf dem Programm.










